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ArijetaArijeta Mulaj

Es gibt in unserer Arbeit als Kitaplatz-Besorger immer wieder mal Geschichten, die auch uns umhauen. Stefanie Dorazil war einer dieser Fälle. Stefanie ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern im Schul- und Vorschulalter und hat außerdem zwei Hunde, die versorgt werden müssen. Stefanie ist dabei weitgehend auf sich alleine angewiesen. Die Väter der Kinder haben sind nicht im Leben der kleinen Familie präsent; auch die Stefanies Mutter steht leider nur begrenzt zur Verfügung.

Stefanie tut alles, um den Kleinen trotzdem ein schönes Leben zu ermöglichen: Sie arbeitet 25 Stunden die Woche als Assistentin der Geschäftsführung und weitere 20 Stunden als Selbstständige. Es gibt sogar noch zwei Hunde, die Kinder so lieben, die aber eben auch Arbeit und Zeit kosten, ganz zu schweigen vom Geld. Für die gute Berufsgelegenheit sind sogar alle gemeinsam extra nach Regensburg gezogen – 400 Meter Fußweg und ein besseres Gehalt waren die Belohnung dafür, aber sie musste schnell zusagen. Situationen wie diese sind kurzfristig schlecht zu beeinflussen. Wir beobachten das immer wieder: Es ist nicht die Fahrlässigkeit oder das fehlende Verantwortungsgefühl der Eltern, sondern sehr oft eine Verkettung von Lebensumständen.

Stefanie hatte sich wegen der relativen Kurzfristigkeit besonders rechtzeitig bei der Stadt gemeldet – überrechtzeitig sogar –, um für ihre Tochter Kita-Bedarf anzumelden. Doch die Stadt reagierte nicht. Und damit begann das Chaos: Stefanie telefonierte, oft unter Tränen, Kindertagesstätten ab, um eine Lösung zu finden – Absage um Absage machten die Sache zu einer Tortur. Schlussendlich war sie gezwungen, die Kinder zu einer unqualifizierten Privatbetreuerin zu geben: die Hürde dafür, die eigenen Kinder zu einer Unbekannten zu geben sind selbst dann sehr hoch, wenn man sich vorher ein qualifiziertes Urteil gebildet hat. In Stefanies Fall war es wenigstens finanziell machbar, aber auch das ist eben nicht immer selbstverständlich. Und bis die Kinder dort versorgt waren, musste sie erst einmal zwei Wochen lang 80 Kilometer zwischen dem Sofa ihrer Mutter und der neuen Arbeitsstelle hin- und herpendeln, um den neuen Job zu behalten. Die einzige Platzzusage der Stadt scheiterte unterdessen an einem Wasserrohrbruch in der betreffenden Kita. Stefanie hat sich letztendlich durch Eigeninitiative einen Platz besorgt. Die ausbleibende Unterstützung der Stadt und karikativer Einrichtungen hatte sie zu diesem Zeitpunkt alle Nerven und viel Geld gekostet.

Eine andere Sache darf man ebenfalls nicht vergessen: auch bei Berufstätigen hören die Verpflichtungen des Alltags nicht einfach auf. Stefanie hat beispielsweise händeringend nach einer Möglichkeit gesucht, etwas Haushaltsunterstützung bekommen. Sie hat sich sogar an karitative Einrichtungen gewendet, um Optionen zu finden. Aber Stefanie ist eben kein Pflegefall, sondern „nur“ massiv überlastet. Egal, wo sie also hingegangen ist, man konnte ihr nirgendwo helfen. Dabei ist die Sache durchaus ernst: Im Zuge der Überlastung war Stefanie zwischenzeitlich krank geworden, eine Grippe sondergleichen. Bis heute weiß sie nicht, wie sie die Versorgung der Kinder und alles andere in diesem Zeitraum bewerkstelligt hat. Für sie hat das bedeutet, mit Fieber, Atemnot und Schwindelgefühlen fürs Essen, den Schulweg der Kinder, fürs Kochen und für die Tiere zu sorgen.

Aus diesen Erfahrungen heraus hat sie sich an uns gewendet: Stefanie Dorazil möchte, dass Eltern zukünftig nicht mehr so leicht in solche Situationen geraten. Gemeinsam werden wir als symbolische Geste auf Schadensersatz klagen, auch, um der Sache eine gewisse Öffentlichkeit zu geben. Wir sind guten Mutes, die Sache für Stefanie entscheiden zu können. Bis dahin geben wir ihr hier ein Forum für ihre Erfahrungen und ihre Empörung.