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Angelina Filbert

Angelina Filbert – Krefeld

Seit wir uns entschieden haben, unseren Kita-suchen-und-finden-Alltag mit kleinen Geschichten zu dokumentieren, ist eine Menge passiert. Vieles von dem, was wir hier zusammentragen, bewegt die Menschen, um die es geht: Eltern, die unsicher sind, an wen sie sich wenden sollen; ob das alles überhaupt was bringen kann, wenn man sich wehrt; ob man sein Vertrauen in Andere legen kann, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Wir sind uns nicht immer sicher, ob die kleinen Erfolge auch motivierend sind: ob auch sie zeigen, worum es geht. Dass sich Engagement lohnt und dass unser Einsatz dabei eine beträchtliche Rolle spielen kann. Nicht bei jeder Geschichte mit Happy End halten wir fest, was passiert ist, bei denen, die wir aber aus kleinen Gründen besonders schön finden, möchten wir die Allgemeinheit dann doch teilhaben lassen.

Obwohl alles gut ging, haben wir beispielsweise bei Gabriel von Beginn an viel Gutes gespürt. Der kleine Bursche aus Bremen hat mit starken Beeinträchtigungen bei der Sprachentwicklung und auch der Motorik zu kämpfen. Im Juristendeutsch heißt das: erhöhter Betreuungsbedarf. Die dafür zuständige senatorische Behörde für Kinder und Bildung hat in solchen Fällen drei Monate Zeit, einen Kitaplatz zur Verfügung zu stellen. Trotzdem standen die Dinge auf der Kippe.

Gabriels Eltern Valdo und Laura sind zwei bezaubernde und unglaublich liebevolle Eltern. Sie sind auf Empfehlung einer befreundeten MyKitaPlatz-Klientin bei uns gelandet. Die beiden haben uns von Anfang an sehr berührt: besonders bei Kindern mit körperlichen oder psychischen Problemen könnte man eine gewisse Ungeduld bei den Eltern erwarten und auch nachvollziehen. Aber Valdo und Laura sind nicht so: das Wohl ihres Kindes steht im Fokus und deswegen hören sie sehr genau zu, wenn man ihnen Dinge erklärt. Wir sind es gewohnt, dass Eltern manche Dinge nicht verstehen oder auch manchmal nicht einsehen, aber Gabriels Eltern kooperierten in allen wichtigen Angelegenheiten von Anfang an.

Die Sache ist nicht einfach, denn die Störungen des kleinen Jungen erfordern beide Eltern gleichermaßen: sie können beide keinem geregelten Beruf nachgehen, denn die Versorgung des Kindes erfordert nahezu durchgehend ihren Einsatz. Es gibt auch keine Verwandten in Wohnortnähe, also war auch hier keine Entlastung zu erwarten. Leider war in den ersten Monaten nach der erstmaligen Bedarfsanmeldung im Januar 2020 noch nichts passiert. Deswegen landeten die Eltern über den Kontakt bei uns und schilderten uns die Sache.

Es sind besonders solche Fälle, in denen wir schon mal alle Stifte fallen lassen und für den Moment die Kräfte konzentrieren. Wenige Tage nach dem Kennenlernen ging also am 19.10.2020 unser Antrag an die zuständigen Stellen. Nicht mal einen Monat später, am 18.11.2020 hatten wir den positiven Bescheid des Gerichts auf dem Tisch. Dort hatte man die besondere Eilbedürftigkeit glücklicherweise sofort erkannt: jeder Tag, an dem ein Kind wie Gabriel nicht professionell betreut wird, kann die weitere Entwicklung zusätzlich negativ beeinflussen. Die Sachverständigen haben unserer Einschätzung da glücklicherweise im Rekordtempo beigepflichtet. Einen Beigeschmack hinterlässt lediglich die Möglichkeit, dass dort draußen andere Eltern in ähnlichen Situationen verbleiben, die nicht um ihre Optionen wissen.

Wir sind in der Sache nicht gerne pathetisch: Dinge können für gesunde und für beeinträchtigte Kinder schlecht und gut und irgendwie dazwischen verlaufen. Wir betrachten es allerdings als besondere Pflicht, die Öffentlichkeit für solche Situationen angemessen aufzuklären: es gibt Handhabe. Wir haben das Werkzeug und das Know-How dazu. Wir wollen helfen. Wir bitten unsere Leser inständig, in der Sache beizutragen: Lassen Sie auch Bekannte und Freunde wissen, wenn es bei der Suche nach einem Betreuungsplatz Handlungsbedarf gibt, dass es Menschen gibt, die sich auf diese Sachen spezialisiert haben. Wir stehen zur Seite. In besonderen Fällen besonders. Und in allen anderen Fällen auch.